Bei der ersten Beschaffung bei einem ausländischen Lieferanten schauen viele zuerst auf zwei Zahlen:
den Stückpreis;
die Fracht.
Sagt der Lieferant „die Ware kostet 1.000 USD, die Fracht 300 USD“, hält der Einsteiger die Gesamtkosten leicht für 1.300 USD.
Doch Importkosten sind meist mehr als das.
Kommt Ware aus dem Ausland, gibt es neben Ware selbst und internationaler Fracht ggf. auch Versicherung, Zoll, Einfuhr-USt, Zollgebühren, Zielhafenkosten, Lagermiete, Dokumentengebühren, Zustellung und sogar Zusatzkosten durch Beschau, Nachreichung oder Verzögerung.
In der B2B-Beschaffung fällt daher oft ein Begriff: Landed Cost.
Landed Cost können Sie zunächst verstehen als: die vollständigen Kosten dieser Sendung, bevor sie wirklich bei Ihnen ankommt und eingelagert oder verkauft werden kann.
Es ist nicht nur das Lieferantenangebot und nicht nur die Seefracht, sondern bezieht die wesentlichen Kosten zwischen Werksauslieferung und Ihrem Wareneingang ein.
Als Einsteiger müssen Sie nicht gleich Steuerexperte werden.
Aber Sie sollten zumindest wissen:
Ein günstiges Angebot bedeutet keine günstigen Lieferkosten.
Günstige Fracht bedeutet keine niedrigen Gesamtkosten.
DDP wirkt bequem, bedeutet aber nicht, dass jede Abgabe und jedes Dokument risikofrei ist.
Wer wirklich Preise vergleichen will, schaut auf die Landed Cost.
Was ist Landed Cost?
Landed Cost lässt sich zunächst als Einstandskosten bis zum Zielort übersetzen.
Es bedeutet: die Gesamtkosten, nachdem die Ware Ihren bestimmten Ort wirklich erreicht und den nötigen Importprozess durchlaufen hat.
Die Berechnung kann je nach Unternehmen leicht abweichen, doch üblich enthalten sind:
Warenwert;
internationale Fracht;
Versicherung;
Zoll;
Einfuhr-USt oder Einfuhr-VAT;
Zollagent-Gebühren;
Zielhafenkosten;
Lager- oder Beschaugebühren;
Dokumentengebühren;
Inlandszustellung;
Wechselkursdifferenz oder Bankgebühren.
Für die B2B-Beschaffung ist die Landed Cost wichtig, weil sie Verkaufspreis, Marge, Lagerkosten und Nachbestellentscheidung beeinflusst.
Berechnen Sie den Gewinn nur mit dem Stückpreis des Lieferanten, überschätzen Sie die Marge leicht.
Etwa halten Sie die Warenkosten für 100 und wollen für 180 verkaufen – die Marge wirkt gut.
Doch werden mit Fracht, Zoll, Verzollung und Zustellung die tatsächlichen Lieferkosten zu 140, ist der Gewinn völlig anders.
Import betrachtet also nicht nur, ob günstig gekauft, sondern wie hoch die Kosten am Ende bei Ihnen sind.
Welche Teile umfassen Importkosten in der Regel?
Einsteiger können Importkosten zunächst in einige große Blöcke aufteilen.
Der erste Block sind die Warenkosten.
Also der Warenbetrag, den der Lieferant Ihnen verkauft. Das erscheint meist auf der Handelsrechnung (Was sind CI / PL).
Der zweite Block ist die internationale Transportkosten.
Etwa Seefracht, Luftfracht, Kurier, Lkw, Abholung, Transport auf der Exportseite oder Zustellung am Zielort. Diese Kosten werden je nach Angebotsbedingung wie EXW, FOB, CIF, DDP (Unterschiede der Angebotsbedingungen) von unterschiedlichen Parteien getragen.
Der dritte Block ist die Versicherung.
Manche Handelsbedingungen enthalten Versicherung, manche nicht. Auch mit Versicherung sind Deckungsumfang, Schadenbedingungen und Versicherungssumme zu prüfen.
Der vierte Block ist der Zoll.
Der Zoll hängt meist mit Warenklassifizierung, HS Code, Zollsatz des Einfuhrlands, Ursprung und Handelsabkommen zusammen. Nicht alle Waren haben denselben Satz.
Der fünfte Block ist die Einfuhr-USt oder Einfuhr-VAT.
Viele Länder erheben beim Import neben dem Zoll eine umsatz-, mehrwert- oder verbrauchsteuerartige Einfuhrabgabe. Name und Berechnung unterscheiden sich je Land.
Der sechste Block sind Verzollungs- und Dokumentengebühren.
Etwa Zollagent-Servicegebühr, Dokumentengebühr, Telex-Release-Gebühr, Umschreibegebühr, Beschaugebühr usw.
Der siebte Block sind die Zielortkosten.
Etwa Zielhafengebühr, Terminalgebühr, Lagermiete, Containerentladegebühr, Abholgebühr, Zustellgebühr. Diese übersehen Einsteiger leicht.
Der achte Block sind Ausnahmekosten.
Etwa Überarbeitung bei Dokumentenfehlern, Zollbeschau, Liegegeld, Verzögerung, höhere Lagermiete, erneute Zustellung, Schadensabwicklung usw.
Nicht jede Sendung trifft auf alle Kosten, doch Sie sollten wissen, welche Posten möglich sind, um nicht nur nach dem Stückpreis zu urteilen.
Was ist Zoll?
Zoll lässt sich zunächst verstehen als: die Steuer, die beim Import einer Ware in ein Land oder eine Region nach Warenklassifizierung und lokalen Vorgaben erhoben wird.
Der Zoll hängt in der Regel mit mehreren Dingen zusammen:
was die Ware ist;
was der HS Code der Ware ist;
wo der Ursprung der Ware liegt;
in welches Land oder welche Region importiert wird;
ob ein bestimmtes Handelsabkommen oder ein Vorzugssatz gilt;
ob die Dokumente korrekt sind.
Der Zoll ist also nicht zwingend so hoch, wie der Lieferant sagt, und nicht zwingend gleich, nur weil jemand ähnliche Ware importiert.
Dieselbe kitchenware kann als Edelstahl, Kunststoff, Glas, Keramik, Holz oder Einweg-Alufolienschale unterschiedlich klassifiziert und besteuert sein.
Dasselbe Edelstahlprodukt kann sich als Geschirr, Behälter, Bauteil oder Werkzeug unterscheiden.
Raten Sie als Einsteiger nicht aus dem Bauch heraus den Zollsatz.
Praktischer ist, zuerst die Warenangaben aufzubereiten – Warenname, Material, Verwendung, Spezifikation, Fotos, Handelsrechnung, Packliste – und dann Zollagent oder Importseite HS Code und möglichen Satz bestätigen zu lassen.
Der Zoll lässt sich nicht nur nachträglich ermitteln, doch halten Sie auch einen beliebig im Netz gefundenen Satz nicht für die endgültige Antwort (bei Handelsabkommens-Präferenzen siehe Was ist ein Ursprungszeugnis / FORM E).
Was ist Einfuhr-USt oder VAT?
Viele Länder erheben beim Import neben dem Zoll eine umsatz-, mehrwert- oder Einfuhr-VAT-artige Steuer.
Der Name ist je nach Ort nicht zwingend gleich.
Mancherorts heißt es VAT.
Mancherorts heißt es GST.
Mancherorts nutzt man Umsatzsteuer, Verbrauchsteuer oder andere Namen.
Es ist nicht ganz dasselbe wie der Zoll.
Der Zoll wird meist auf die Klassifizierung der importierten Ware erhoben.
Einfuhr-USt oder VAT wird oft auf die Importtransaktion oder den Warenwert plus Teilkosten und dann nach lokalen Vorgaben berechnet.
Manche Länder lassen Unternehmen nach Import abziehen oder anmelden, in manchen Fällen nicht; das hängt von lokalem Steuerrecht, Importeurstatus und Buchhaltung ab.
Fragen Sie also nicht nur „wie hoch der Zoll“.
Fragen Sie auch:
Gibt es beim Import neben Zoll auch VAT, GST oder Umsatzsteuer?
Was ist die Bemessungsgrundlage?
Kann ein Firmenkonto nach Import abziehen?
Welche formellen Importdokumente sind nötig?
Wer ist der Importeur?
Diese Fragen beeinflussen Ihre tatsächlichen Kosten sowie spätere Buchhaltung und interne Verrechnung.
Warum entspricht der CIF-Preis nicht den Gesamtkosten?
Viele Einsteiger meinen beim CIF-Preis, die Ware sei bereits in den Zielhafen transportiert, die Kosten also ungefähr fix.
Doch CIF ist meist nur bis Zielhafen, nicht bis zu Ihrem Lager.
CIF kann Warenkosten, Versicherung und internationale Fracht bis Zielhafen enthalten.
Doch nach Ankunft im Zielhafen folgen meist:
Importverzollung;
Zoll;
Einfuhr-USt oder VAT;
Zielhafenkosten;
Umschreibe- oder Dokumentengebühren;
Lager- oder Beschaugebühren;
Abholgebühr;
Zustellung am Zielort.
Der CIF-Preis ist also nur ein Teil der Kosten.
Sie können den CIF-Preis nicht direkt als Lieferkosten nehmen.
Sicherer ist, die Zielortkosten nach CIF von Spediteur oder Zollagent schätzen zu lassen und gemeinsam die Landed Cost zu berechnen.
Bestellen Sie nur, weil CIF günstig wirkt, und merken nach Hafenankunft hohe Zielhafenkosten, scheinen die Kosten plötzlich zu explodieren.
Tatsächlich tauchen die Kosten nicht plötzlich auf – sie wurden anfangs nicht eingerechnet.
Muss man sich beim DDP-Preis nicht um Abgaben kümmern?
DDP wird oft als Door-to-Door-Preis inklusive Steuern verstanden, weshalb viele Einsteiger DDP für am einfachsten halten.
Theoretisch trägt der Verkäufer bei DDP tatsächlich viel Verantwortung, einschließlich Lieferung bis zum bestimmten Ziel sowie Importverzollung und zugehörige Abgaben.
In der Praxis ist dennoch klar zu fragen.
Denn je nach Lieferant, Logistikkanal und Land kann die DDP-Umsetzung stark abweichen.
Klären Sie:
Enthält DDP wirklich Einfuhrzoll und Einfuhr-USt?
Wer ist der Importeur?
Lassen sich formelle Importdokumente liefern?
Wer bearbeitet, wenn der Zoll Angaben verlangt?
Wer trägt, wenn Abgaben von der Schätzung abweichen?
Wie wird die Verantwortung geregelt, wenn Ware beschaut oder verzögert wird?
Gibt es Waren oder Länder, für die DDP nicht geht?
DDP kann die Bedienschwierigkeit für Einsteiger senken, bedeutet aber nicht völlige Risikofreiheit.
Kaufen Sie nur Muster oder kleine Testmengen, kann DDP bequem sein.
Doch bei formeller Firmenbeschaffung mit Buchhaltung, formellen Importunterlagen oder künftig stabiler Nachbestellung dürfen Sie nicht nur auf die Bequemlichkeit des DDP-Gesamtpreises schauen.
Sie prüfen auch, ob Dokumente und Compliance den weiteren Betrieb tragen.
Wie schätzt man die Landed Cost grob?
Jedes Land, jede Ware und jede Logistikart ist anders, daher garantiert keine Formel Genauigkeit.
Einsteiger können aber zunächst mit einem vereinfachten Konzept die Richtung erfassen.
Denken Sie zunächst:
Landed Cost = Warenkosten + internationale Fracht + Versicherung + Zoll + Einfuhr-USt oder VAT + Zollgebühren + Zielortkosten + Zustellung + sonstige mögliche Kosten
Wollen Sie nur grob bewerten, ob eine Ware machbar ist, erstellen Sie zuerst eine Schätztabelle.
Zum Beispiel:
Wie hoch ist der Warenbetrag?
Wie hoch die internationale Fracht?
Ist Versicherung enthalten?
Wie hoch der geschätzte Zoll?
Wie wird Einfuhr-USt oder VAT berechnet?
Wie hoch die Zollagent-Gebühr?
Wie hoch ungefähr die Zielhafenkosten?
Wie viel die Zustellung ins Lager?
Bankgebühren und Wechselkursdifferenz einplanen?
Ausnahmekosten als Reserve einplanen?
Streben Sie nicht von Anfang an perfekte Genauigkeit jeder Zahl an.
Die anfallenden Posten aufzulisten ist wichtiger, als nur den Stückpreis zu sehen.
Vor der tatsächlichen Bestellung lassen Sie Spediteur, Zollagent oder Buchhaltung eine formellere Schätzung bestätigen.
Welche Kosten übersehen Einsteiger am häufigsten?
Erstens die Zielhafenkosten.
Viele meinen, mit gezahlter Seefracht gebe es nach Hafenankunft keine Kosten mehr. Tatsächlich können im Zielhafen Umschreibe-, Terminal-, Lager-, Abhol- und Containerentladegebühren anfallen.
Zweitens die Einfuhr-USt oder VAT.
Manche fragen nur nach dem Zoll und vergessen, dass beim Import auch VAT, GST oder Umsatzsteuer anfallen kann.
Drittens die Zollagent-Gebühr.
Der Zollagent bearbeitet Dokumente nicht kostenlos. Je Sendung, je Anmeldeweise und je nach Beschau können Kosten entstehen.
Viertens die Inlandszustellung.
Ware im Hafen oder Flughafen heißt nicht im Lager. Die Zustellung am Zielort ist ggf. separat zu berechnen.
Fünftens Wechselkurs und Bankgebühren.
Grenzüberschreitende Zahlungen können Wechselkursdifferenz, Gebühren und Korrespondenzbankkosten haben. Bei kleinen Beträgen unauffällig, bei großen beeinflusst es die Kosten.
Sechstens Ausnahmebearbeitungsgebühren.
Dokumentenfehler, Beschau, Verzögerung, Lagermiete, Nachreichung, erneute Zustellung können die Kosten erhöhen.
Diese Kosten gibt es nicht jedes Mal, doch Sie können nicht so tun, als existierten sie nicht.
Wie fragt man Lieferant und Spediteur?
Stellen Sie die Fragen aufgeschlüsselt, damit die Gegenseite nicht nur einen vagen Gesamtpreis nennt.
Den Lieferanten fragen:
Ist dieses Angebot EXW, FOB, CIF oder DDP?
Welche Kosten sind im Preis enthalten?
Welche Kosten sind nicht enthalten?
Ist die Exportverzollung enthalten?
Ist Versicherung enthalten?
Lassen sich Handelsrechnung und Packliste liefern?
Bei DDP: sind Zoll und Einfuhrabgaben enthalten?
Spediteur oder Zollagent fragen:
Welchen HS Code könnte der Import dieser Ware nutzen?
Wie hoch ist der geschätzte Zoll?
Gibt es neben dem Zoll auch VAT, GST oder Einfuhr-USt?
Welche Kosten kann es im Zielhafen geben?
Wie hoch ungefähr die Verzollungsgebühr?
Wo liegen die Kostenunterschiede zwischen See-, Luft- und Kuriertransport ungefähr?
Gibt es Sonderdokumente oder Beschaurisiken?
Das klar zu fragen lässt eine wirklichkeitsnahe Landed Cost berechnen.
Nehmen Sie nicht ein „Fracht inklusive“ des Lieferanten als Gesamtkosten.
Abgaben konservativ schätzen, nicht zu knapp ansetzen
Beim ersten Import schätzt man die Kosten am besten etwas konservativ.
Setzen Sie zu knapp an, wird der Gewinn schnell aufgezehrt, sobald Fracht oder Kurs schwanken, eine Beschau erfolgt, Dokumente nachzureichen sind oder der Zollsatz anders beurteilt wird.
Sicherer ist:
Bei der Fracht nicht nur das niedrigste Angebot ansehen.
Abgaben zuerst konservativ schätzen.
Zielortkosten klar erfragen.
Beim Wechselkurs einen Puffer lassen.
Für Ausnahmekosten einen Anteil reservieren.
Die Marge nicht nur im Idealzustand berechnen.
Besonders bei Küchenwaren, Geschirr und Verpackungsmaterial wirkt der Stückpreis niedrig, doch Kartonanzahl, Volumen, Gewicht und Materialunterschiede können Fracht und Abgaben beeinflussen.
Bei günstiger, aber voluminöser Ware kann die Fracht den Gewinn aufzehren (zusammen mit See / Luft / Kurier – wie wählen sehen Sie die Transportart vollständiger).
Bei hochpreisiger Ware mit hohen Abgaben kann das den Verkaufspreis beeinflussen.
Schauen Sie bei der Warenwahl also nicht nur auf den Einkaufspreis, sondern auf die vollständigen Lieferkosten.
Zu vergleichen sind die Gesamtkosten nach Ankunft
Bei der Beschaffung im Ausland ist der Stückpreis nur die erste Ebene.
Was wirklich beeinflusst, ob, wie viel und mit welcher Restmarge Sie verkaufen, ist die Landed Cost.
Zoll, Einfuhr-USt, Fracht, Verzollung, Zielhafenkosten, Zustellung, Wechselkursdifferenz – all das kann die Kosten verändern.
EXW kann günstig wirken, doch dahinter handhaben Sie am meisten selbst.
FOB ist bei formeller Großbeschaffung üblich, doch Seefracht und Importseite schätzen Sie selbst.
CIF enthält bis Zielhafen, aber nicht bis zur Tür.
DDP wirkt mühelos, doch Abgaben, Importeurname und formelle Dokumente sind zu bestätigen.
Als Einsteiger müssen Sie nicht gleich jeden Posten perfekt berechnen.
Aber legen Sie sich zumindest eine Gewohnheit zu:
Nicht nur auf das Lieferantenangebot schauen.
Nicht nur fragen, wie viel „Fracht inklusive“ kostet.
CIF nicht für „bis zur Tür“ halten.
DDP nicht für völlig risikofrei halten.
Schlüsseln Sie die Kosten auf, dann wissen Sie, ob diese Beschaffung wirklich günstig ist oder die Kosten nur nach hinten verschoben sind.