Bei der ersten Bestellung bei einem ausländischen Lieferanten legen viele den Fokus auf Preis, Lieferzeit und Zahlung.
Sagt der Lieferant dann „die Ware ist fertig, wir können versenden“, taucht plötzlich eine Frage auf:
Woher weiß ich, dass mit dieser Sendung wirklich alles in Ordnung ist?
Hier kommt die Vorversandkontrolle ins Spiel.
Die Vorversandkontrolle soll Sie nicht zum professionellen QC machen und auch nicht den Lieferanten schikanieren.
Ihr eigentliches Ziel ist, vor dem Verlassen des Werks einige der wichtigsten Dinge zu bestätigen:
Ist das die Sendung, die Sie bestellt haben?
Stimmen Menge und Kartonanzahl?
Gibt es offensichtliche Fehler bei Spezifikation, Maß, Farbe, Funktion?
Sind Verpackung, Etikett und Kartonangaben wie vereinbart?
Gibt es schwere Mängel, die zuerst zu stoppen sind?
Gibt es genug Fotos und Aufzeichnungen für eine spätere Rückverfolgung?
Denn ist die Ware erst ausgelaufen, verschifft, geflogen oder in Ihr Lager zugestellt, sind die Kosten einer späteren Problemfindung deutlich höher.
Fehlt vor Versand ein SKU auf dem Umkartonetikett, lässt es sich vielleicht am selben Tag nachkleben.
Ist vor Versand die Packweise falsch, lässt sich vielleicht neu verpacken.
Ist vor Versand das Maß falsch, lässt sich der Versand zumindest pausieren.
Doch merken Sie erst im Lager falsche Specs, Fehlmengen oder falsche Verpackung, geht es um Rücksendung, Nachlieferung, Preisnachlass, Nacharbeit, Reklamation und Lagerbearbeitung.
Der Fokus der Vorversandkontrolle ist also nicht Perfektion, sondern große Probleme vor Versand abzufangen.
Vor der Vorversandkontrolle zuerst klären, was geprüft wird
Viele Kontrollen scheitern nicht an mangelnder Mitwirkung des Lieferanten, sondern daran, dass der Käufer nicht zuerst klar sagt, was zu prüfen ist.
Sie können dem Lieferanten nicht nur sagen:
Mach vor Versand Fotos für mich.
Dieser Satz ist zu vage.
Der Lieferant macht vielleicht nur ein paar schöne Produktfotos.
Sie wollten aber Kartonanzahl, Umkartonetikett, Packweise, Maßmessung und den Zustand der ganzen Sendung sehen.
Vor der Vorversandkontrolle klären Sie also zumindest:
Welcher Auftrag wird diesmal geprüft?
Welche SKUs werden geprüft?
Welche Menge je SKU?
Welche Spezifikationen sind zu prüfen?
Welche Verpackung ist anzusehen?
Welche Fotos sind zu machen?
Soll bei einem Problem der Versand pausiert werden?
Wer darf über die Freigabe entscheiden?
Ist das nicht klar, bearbeitet der Lieferant es nach eigenem Verständnis.
Sie meinen, er prüfe umfassend.
Er meint, Sie wollten nur ein paar Vorversandfotos.
Die Erwartungen unterscheiden sich, und später gibt es Streit.
Schritt 1: Zuerst den Auftrag abgleichen, nicht gleich aufs Aussehen schauen
Der erste Schritt der Kontrolle ist nicht zu schauen, ob das Produkt gut aussieht.
Sondern zuerst zu bestätigen, ob das die Sendung ist, die Sie bestellt haben.
Gleichen Sie zumindest ab:
PO- oder Auftragsnummer.
Warenname.
SKU.
Spezifikation.
Maß.
Farbe.
Material.
Packweise.
Bestellmenge.
Fertiggestellte Menge.
Geplante Versandmenge.
Viele Fehler sind keine schlechte Qualität, sondern das Falsche gefertigt.
Etwa: Sie bestellten 30 cm, der Lieferant fertigte 28 cm.
Sie bestellten Mattschwarz, der Lieferant fertigte Glanzschwarz.
Sie bestellten Einzelverpackung, der Lieferant lieferte lose.
Sie bestellten englische Etiketten, der Lieferant klebte chinesische.
Sie bestellten 1.000 Stück, versandfertig sind nur 960.
Werden diese Probleme vor Versand nicht erkannt, werden sie später zum großen Ärger.
Der erste Schritt der Kontrolle ist daher immer: zuerst den Auftrag abgleichen, dann die Qualität ansehen.
Schritt 2: Bei der Menge die Gesamtzahl und die Kartonanzahl prüfen
Fragen Sie bei der Mengenabnahme nicht nur:
Stimmt die Gesamtzahl?
Sie prüfen zwei Ebenen.
Die erste Ebene ist die Gesamtmenge.
Die zweite Ebene ist Menge je Karton und Gesamtkartonanzahl.
Etwa bestellen Sie 1.000 Stück, der Lieferant sagt, die Gesamtzahl sei 1.000.
Das wirkt in Ordnung.
Sind je Karton aber 48 Stück, sollten Sie auch wissen:
Wie viele Kartons insgesamt.
Wie viele Stück je Karton.
Ob es einen Restkarton gibt.
Wie viele Stück im Restkarton.
Wie hoch das Bruttogewicht je Karton.
Welche Maße je Karton.
Ob das Umkartonetikett eine Kartonnummer hat.
Ob die Kartonnummern fortlaufend sind.
Passen Kartonanzahl und Menge je Karton nicht zusammen, kann das nachgelagert Verzollung, Lagerzählung, Einlagerung, Wareneingang beim Kunden und Bestandserfassung beeinflussen (zum CI / PL-Abgleich siehe Was sind Handelsrechnung und Packliste).
Besonders B2B-Sendungen haben oft nicht nur ein SKU.
Hat ein Auftrag 5 SKUs, bestätigen Sie umso mehr Kartonanzahl und Menge je SKU statt nur die Gesamtkartonanzahl.
Verlangen Sie vom Lieferanten:
Foto der Gesamtkartonanzahl.
Foto der Packweise je Karton.
Foto des Umkartonetiketts.
Packaufstellung.
Foto des Restkartons.
Foto der gestapelten Gesamtsendung vor Versand.
Diese Fotos sind nicht zwingend schön, aber sehr nützlich.
Schritt 3: Die Sichtprüfung betrachtet den „akzeptablen Bereich“
Bei der Sichtabnahme entsteht am leichtesten Streit.
Denn Käufer und Lieferant empfinden „Mangel“ oft unterschiedlich.
Der Käufer meint, ein Kratzer auf der Vorderseite führe sicher zur Rücksendung.
Der Lieferant meint, es sei nur eine kleine Spur ohne Nutzungseinfluss.
Der Käufer findet ein schief sitzendes Logo hässlich.
Der Lieferant hält es für normale Toleranz.
Der Käufer findet die Farbe falsch.
Der Lieferant meint, es sei nur das Licht.
Sagen Sie bei der Vorversandkontrolle also nicht nur:
Das Aussehen darf keine Mängel haben.
Die Qualität soll gut sein.
Es soll wie das Muster sein.
Diese Sätze sind zu vage.
Besser ist, akzeptable und nicht akzeptable Fälle klar zu benennen.
Zum Beispiel:
Der sichtbare Frontbereich darf keine deutlichen Kratzer, Risse, Diodellen, Bruchstellen haben.
Kanten dürfen keine schneidenden Grate haben.
Das Logo darf nicht schief, unscharf oder ausgeblichen sein.
Die Farbe muss nahe am bestätigten Muster sein; leichte Chargen-Farbabweichung ist akzeptabel.
Die Verpackung darf nicht deutlich beschädigt, verschmutzt oder durchfeuchtet sein.
Die Ware darf keinen Fremdgeruch, keine Verschmutzung, keinen Schimmel haben.
Leichte, nutzungsneutrale optische Abweichungen sind akzeptabel, aber zu fotografieren.
Bei Display-, Geschenkbox- oder Retail-Verpackungsartikeln muss der optische Standard klarer sein.
Bei Werkzeug-, Verbrauchs- oder Intern-Nutzungsartikeln zählen womöglich Funktion und Sicherheit mehr als jede kleine optische Spur.
Die Sichtabnahme ist nicht „je strenger, desto besser“, sondern muss zu Ihrem Verkaufsszenario passen (der Standard sollte auf Golden Sample und Toleranz zurückgehen).
Schritt 4: Maß, Gewicht, Volumen stichprobenartig prüfen, nicht nur die Spezifikationstabelle ansehen
Die vom Lieferanten genannte Spezifikation bedeutet nicht zwingend völlige Übereinstimmung vor Versand.
Maß, Gewicht, Volumen, Dicke prüfen Sie am besten als Stichprobe.
Verlangen Sie vom Lieferanten:
Foto der Maßmessung.
Foto der Messschieber-Messung.
Foto des Wiegens.
Foto des Volumentests.
Foto der Dickenmessung.
Nahaufnahme kritischer Maße.
Messergebnisse mehrerer Muster.
Bei Küchenwaren prüft man oft:
Durchmesser.
Höhe.
Länge.
Breite.
Dicke.
Volumen.
Gewicht.
Grifflänge.
Deckelmaß.
Innen- und Außendurchmesser.
Maß nach Verpackung.
Ein kleiner Maßunterschied ist manchmal unkritisch.
Manchmal beeinflusst er aber Stapeln, Montage, Verpackung, Listung, Lagerung oder Nutzung.
Zum Beispiel:
Stimmt das Maß der Aufbewahrungsbox nicht, passt der Deckel womöglich nicht.
Stimmt das Maß des Tellers nicht, passt er womöglich nicht in die vorgesehene Verpackung.
Stimmt das Maß des Zubehörs nicht, lässt es sich womöglich nicht mit dem Hauptprodukt montieren.
Stimmt das Umkartonmaß nicht, kann das Volumengewicht und Fracht beeinflussen.
Stimmt das Volumen nicht, weicht die Produktseite von der tatsächlichen Nutzung ab.
Verlassen Sie sich bei der Maßabnahme also nicht auf mündliche Bestätigung des Lieferanten.
Es braucht Fotos, Messmittel, Zahlen.
Schritt 5: Bei Artikeln mit Funktion ein Video verlangen
Manche Artikel sehen optisch in Ordnung aus, haben aber womöglich ein Funktionsproblem.
Vieles ist auf Fotos nicht erkennbar.
Zum Beispiel:
Der Deckel schließt nicht.
Der Verschluss ist zu locker.
Der Schalter klemmt.
Die Dichtung ist mangelhaft.
Der Becherdeckel ist undicht.
Der Griff wackelt.
Die Aufbewahrungsbox stapelt instabil.
Das Messer schneidet nicht.
Die Rolle läuft nicht rund.
Die Faltstruktur klemmt.
Die Gerätetaste reagiert nicht.
Das Zubehör lässt sich nicht montieren.
Hat der Artikel Öffnen/Schließen, Montage, Dichtung, Tragkraft, Drehen, Falten, Drücken, Gleiten oder elektrische Funktion, verlangen Sie nicht nur Fotos.
Verlangen Sie ein Video.
Das Video muss nicht wie Werbung aussehen, aber zeigen, ob die Funktion normal ist.
Zum Beispiel:
Dichtigkeitstest des Becherdeckels.
Öffnen-/Schließtest des Deckels.
Wiederholtes Öffnen/Schließen des Verschlusses.
Montagevorgang.
Tragkraft des Produkts.
Schneidedemo des Messers.
Falten und Zusammenlegen.
Stapelstabilität.
Einschalttest des Geräts.
Sehen Sie nur Produktfotos, übersehen Sie Funktionsmängel leicht.
Besonders bei B2B-Beschaffung mit großer Menge sind die Bearbeitungskosten sehr hoch, wenn Funktionsprobleme erst nach Ankunft auffallen.
Schritt 6: Auch Verpackung und Etikett prüfen, nicht nur das Produkt
Viele Einsteiger prüfen nur das Produkt, nicht die Verpackung.
Das ist ein sehr häufiger Fehler.
Für die B2B-Beschaffung sind Verpackung und Etikett ebenfalls Teil der Qualität.
Eine falsche Verpackung kann verursachen:
Transportschäden.
Das Lager kann nicht identifizieren.
Verwirrung beim Wareneingang des Kunden.
Der Barcode lässt sich nicht scannen.
Umkartonangaben passen nicht zu den Dokumenten.
Einlagerung auf der Plattform scheitert.
Retail-Verpackung kann nicht direkt gelistet werden.
Der Kunde hält die Ware für unprofessionell.
Bestätigen Sie zumindest:
Ob die Innenverpackungsweise korrekt ist.
Ob die Menge je Packung korrekt ist.
Ob Schutzmaterial vorhanden ist.
Ob ein vorgegebener Aufkleber oder Barcode vorhanden ist.
Ob der Umkarton stabil ist.
Ob das Umkartonmaß korrekt ist.
Ob das Umkarton-Bruttogewicht plausibel ist.
Ob das Umkartonetikett vollständig ist.
Ob SKU, Warenname, Menge, Kartonnummer klar sind.
Ob Zerbrechlich-, Feuchtigkeits- und Richtungskennzeichnungen vorhanden sind.
Ob es den Einlagerungsanforderungen von Kunde oder Plattform entspricht.
Geht Ihre Ware in ein Kunden-, Plattform-, Amazon- oder Filialkettenlager, dürfen Verpackung und Etikett nicht erst nach Ankunft geprüft werden (zum Verpackungstest siehe Karton-Falltest-Protokoll).
Denn manche Lager nehmen entweder nicht an oder berechnen eine Zusatzbearbeitungsgebühr.
Verpackung ist keine Kleinigkeit.
Sie beeinflusst Transport, Einlagerung, Verkauf und Kundenerlebnis.
Schritt 7: Fotos sollen beurteilbar sein, nicht hübsch
Lieferanten schicken manchmal viele Fotos, doch diese haben nicht zwingend Prüfwert.
Schön drapierte Produkte heißen nicht, dass Sie Menge, Spezifikation, Verpackung und Gesamtzustand beurteilen können.
Prüffotos müssen beurteilbar sein.
Verlangen Sie vom Lieferanten:
Umkartonfotos der ganzen Sendung.
Fotos der Lagerstapelung.
Vorder- und Rückseitenfotos jedes SKUs.
Innenverpackungsfotos jedes SKUs.
Packfoto nach dem Öffnen des Umkartons.
Nahaufnahme des Umkartonetiketts.
Foto der Kartonnummer.
Foto der Maßmessung.
Foto des Wiegens.
Video des Funktionstests.
Nahaufnahme von Mängeln.
Foto nach Korrektur.
Foto der Versiegelung vor Versand.
Halten Sie beim Fotografieren einige Grundregeln ein:
Nicht nur Ausschnitte, sondern auch das Ganze fotografieren.
Auf demselben Foto möglichst Produkt und Messmittel zeigen.
Das Umkartonetikett scharf fotografieren, nicht verschwommen.
Problemstellen nah fotografieren und mit einer Fernaufnahme die Position zeigen.
Bei Mehr-SKU-Aufträgen nach SKU fotografieren, nicht alles vermischen.
Bei einem Restkarton diesen gesondert fotografieren.
Gute Prüffotos sind nicht für Schönheit da.
Sie sind dafür da, dass Sie beurteilen können und später eine Aufzeichnung haben.
Worin unterscheiden sich Lieferanten-Selbstprüfung und Drittpartei-Inspektion?
Die Vorversandkontrolle lässt sich in mehrere Arten teilen.
Am einfachsten ist die Lieferanten-Selbstprüfung.
Also: Der Lieferant prüft selbst und liefert Fotos, Videos, Packdaten und Prüfergebnis.
Diese Art ist kostengünstig und schnell, geeignet für:
Kleinmengen.
Musteraufträge.
erste Testaufträge.
geringe Beträge.
Lieferanten mit stabiler bisheriger Zusammenarbeit.
Artikel mit geringem Risiko.
wenn Sie nur Grund-Spezifikation und Verpackung bestätigen wollen.
Doch die Selbstprüfung hat auch Nachteile.
Da der Lieferant selbst die Versandseite ist, fotografiert er womöglich nur gute Muster oder übersieht die Details, die Ihnen wichtig sind.
Bei hohem Auftragswert, hohem Qualitätsrisiko, strengen Kundenanforderungen oder früheren Problemen des Lieferanten können Sie eine Drittpartei-Inspektion erwägen.
Die Drittpartei-Inspektion eignet sich für:
formelle Großmengen.
hochpreisige Artikel.
Artikel mit hohen Rücksendekosten.
Artikel mit Sicherheits- oder Regulierungsrisiko.
Direkteinlagerung in Kunden- oder Plattformlager.
wenn Sie nicht selbst vor Ort prüfen können.
erste Zusammenarbeit mit noch geringem Vertrauen.
wenn der Kunde einen Prüfbericht verlangt.
Die Drittpartei-Inspektion ist nicht allmächtig und garantiert keine völlig fehlerfreie Sendung.
Aber sie liefert eine relativ neutrale Stichprobenaufzeichnung, sodass Sie nicht nur auf die Fotos des Lieferanten angewiesen sind.
Einsteiger können mit der Selbstprüfung beginnen, sollten aber wissen, wann ein Upgrade zur Drittpartei-Inspektion sinnvoll ist.
Bei einem Problem zuerst den Versand pausieren, nicht über Schuld streiten
Findet die Vorversandkontrolle ein Problem, ist das Erste nicht der Streit über die Schuld.
Sondern zuerst zu klären:
Was das Problem ist.
Wie viele Stück betroffen sind.
Ob es nur ein Muster ist.
Ob die ganze Sendung dasselbe Problem hat.
Ob es reparierbar ist.
Wie nach der Reparatur nachzuweisen ist.
Ob eine erneute Prüfung nötig ist.
Ob der Versand zu pausieren ist.
Kann das Problem die ganze Sendung betreffen, verlangen Sie zuerst, dass der Lieferant den Versand pausiert.
Sie können schreiben:
Please hold the shipment first. We need to clarify the issue before release.
Oder auf Deutsch:
Bitte pausieren Sie den Versand zuerst. Wir klären dieses Problem, bevor die Freigabe erfolgt.
Bei einem kleinen Problem können Sie Fotos oder Daten nachfordern.
Ist die Verpackung falsch, verlangen Sie Neuverpacken und ein neues Foto.
Ist das Etikett falsch, verlangen Sie neues Etikettieren und ein Foto.
Bei Maßzweifeln verlangen Sie eine Neumessung von 5 bis 10 Mustern.
Bei Funktionsproblemen verlangen Sie einen neuen Test mit Video.
Bei einem Mängelquoten-Problem verlangen Sie eine Komplettnachprüfung und die Meldung der Fehlmenge.
Sagen Sie nicht nur:
So geht das nicht, bitte verbessern.
Das ist zu vage.
Sagen Sie klar, was die Gegenseite tun soll.
Welche üblichen Bearbeitungswege gibt es?
Ein Problem vor Versand bedeutet nicht zwingend Auftragsstorno.
Übliche Bearbeitungswege:
Fotos nachreichen.
Messdaten nachreichen.
Neu etikettieren.
Neu verpacken.
Mangelhafte Stücke ersetzen.
Zubehör nachreichen.
Nacharbeit.
Komplettnachprüfung.
Versand verschieben.
Teillieferung.
Mit Preisnachlass annehmen.
In die nächste Charge zur Verbesserung aufnehmen.
Bei schwerem Problem Versand pausieren.
Der Bearbeitungsweg richtet sich nach dem Schweregrad (zur Mangeleinstufung siehe Critical / Major / Minor – Fehlerklassifizierung).
Fehlt nur ein SKU auf dem Umkartonetikett, genügt meist Neuetikettieren.
Bei wenigen Druckstellen an der Verpackung genügt vielleicht ein Foto zur Bestätigung des intakten Inhalts.
Ist das Logo falsch gedruckt, braucht es ggf. Nacharbeit oder Neufertigung.
Bei Materialfehlern darf man nicht beliebig annehmen.
Bei Sicherheitsrisiken sollte man den Versand pausieren und die Ursache klären (zum Eskalationsprozess siehe Eskalationsprozess bei Qualitätsproblemen).
Behandeln Sie nicht alle Probleme mit demselben Weg.
Verlangen Sie bei einem kleinen Problem eine Komplettneufertigung, hält der Lieferant Sie für unvernünftig.
Verlangen Sie bei einem großen Problem nur eine Verbesserung der nächsten Charge, tragen Sie das Risiko selbst.
Wo Einsteiger am häufigsten etwas übersehen
Erstens: PO und SKU nicht zuerst abgleichen.
Nur Produktfotos ansehen, doch falsch sind Spezifikation, Farbe oder Verpackungsversion.
Zweitens: nur die Gesamtzahl fragen, nicht die Kartonanzahl ansehen.
Die Gesamtzahl wirkt richtig, aber Menge je Karton, Restkarton, Kartonnummer und Umkartonetikett können falsch sein.
Drittens: nur das Produkt ansehen, nicht die Verpackung.
Das Produkt ist in Ordnung, aber Verpackung falsch, Etikett falsch, Umkarton instabil – es geht später trotzdem schief.
Viertens: nur Fotos ansehen, kein Video verlangen.
Bei Artikeln mit Funktion übersieht man mit Fotos leicht Öffnen/Schließen, Dichtung, Montage und Nutzung.
Fünftens: keine Messfotos verlangen.
Maß, Gewicht, Volumen nur mündlich vom Lieferanten ist nicht zuverlässig genug.
Sechstens: bei einem Problem nur sagen, die Qualität sei schlecht.
Ohne Angabe von Position, Menge, Stufe und Bearbeitungsanforderung kann der Lieferant schwer antworten.
Siebtens: beim Eilversand ein schweres Problem durchgehen lassen.
Manche Probleme kosten nach Ankunft deutlich mehr, wenn man sie vor Versand nicht abfängt.
Achtens: keine Aufzeichnung sichern.
Fotos, Videos, Chatverläufe, Prüfergebnisse und Freigabebestätigung sind aufzubewahren.
B2B-Beschaffung betrachtet nicht nur diese eine Sendung, sondern soll auch der späteren Nachbestellung einen nachverfolgbaren Standard geben.
Vorversandkontroll-Anforderung, die Sie dem Lieferanten direkt geben können
Wissen Sie nicht, wie Sie es ansprechen, nutzen Sie zuerst diese einfache Version:
Bitte stellen Sie vor Versand die folgenden Unterlagen zur Bestätigung bereit:
Diese Anforderung ist nicht komplex, fängt aber viele Grundprobleme ab.
Sie können sie je nach Artikel anpassen.
Bei Geschirr ergänzen Sie Aussehen, Kanten, Bruch, Verpackungsschutz.
Bei Dichtartikeln ergänzen Sie einen Dichtigkeits- oder Lecktest.
Bei Geräten ergänzen Sie Einschalt- und Funktionstest.
Bei Plattform-Einlagerungsartikeln ergänzen Sie Barcode, Kartonetikett und Umkartonspezifikation.
Der Punkt ist nicht, jedes Mal dieselbe Tabelle zu nutzen, sondern jedes Mal zuerst zu überlegen:
Wo geht bei diesem Artikel am ehesten etwas schief?
Die einfachste Vorversandkontroll-Checkliste
Nutzen Sie zuerst diese einfache Checkliste:
Stimmt die Auftragsnummer überein.
Stimmen die SKUs überein.
Stimmen Spezifikation, Maß, Farbe überein.
Stimmt die Menge überein.
Ist die Menge je Karton korrekt.
Ist die Gesamtkartonanzahl korrekt.
Ist der Restkarton klar gekennzeichnet.
Hat das Produkt deutliche optische Mängel.
Sind Maß, Gewicht, Volumen stichprobenartig geprüft.
Ist die Funktion stichprobenartig getestet.
Ist die Innenverpackung korrekt.
Ist der Umkarton stabil.
Ist das Umkartonetikett korrekt.
Sind SKU, Menge, Kartonnummer klar.
Gibt es Fotos der ganzen Sendung.
Gibt es Packfotos.
Gibt es Messfotos.
Gibt es Funktionsvideos.
Gibt es Auffälligkeiten zur Bearbeitung.
Ist die Versandfreigabe bestätigt.
Diese Tabelle ist kein vollständiger QC-Standard, eignet sich aber gut für den Einstieg.
Sie erinnert Sie zumindest, nicht nach ein paar schönen Produktfotos freizugeben.
Fazit: Vorversandkontrolle belässt das Problem im Werk
Die Vorversandkontrolle garantiert keine Null-Fehler.
Ihr Wert ist Risikominderung.
Wirklich wichtig ist:
Ob vor Versand Auftrag und SKU bestätigt wurden.
Ob Menge und Kartonanzahl bestätigt wurden.
Ob Aussehen, Maß, Funktion bestätigt wurden.
Ob Verpackung, Etikett und Umkarton bestätigt wurden.
Ob Fotos, Videos und Aufzeichnungen hinterlegt wurden.
Ob bei einem schweren Problem der Versand zuerst pausiert wurde.
Ob der Lieferant Ihren Abnahmestandard kennt.
Für die B2B-Beschaffung sind viele Probleme nicht unlösbar, sondern werden zu spät entdeckt.
Vor Versand entdeckt ist es ein Werksproblem.
Erst im Lager entdeckt wird es zu Ihrem Bestands-, Reklamations- und Kostenproblem.
Bei der ersten Beschaffung muss die Kontrolle nicht so komplex sein wie bei einem Großkonzern.
Aber legen Sie sich zumindest eine Gewohnheit zu:
Fragen Sie vor dem Versand nicht nur „Können wir versenden?“
Fragen Sie:
Habe ich für diese Sendung genug Unterlagen, um die Freigabe zu beurteilen?