Zuerst Klartext: Eine Teillieferung ist kein Allheilmittel, einen Teil früher zu verschicken ist nicht automatisch besser
Bei Termindruck ist der erste Reflex vieler:
Dieser Gedanke ist ganz normal.
Und in manchen Fällen ist eine Teillieferung tatsächlich nützlich.
Das Problem ist aber: Eine Teillieferung betrachtet nicht nur, „ob man früher verschicken kann“,
sondern:
Wird das nicht zuerst geklärt,
wird die Teillieferung leicht zu:
Der Punkt ist also nicht „aufteilen oder nicht“,
sondern ob man nach dem Aufteilen das Problem löst oder es nur in anderer Form aufschiebt.
Zuerst unterscheiden: Fehlt Ihnen gerade Zeit, SKUs oder die Komplettlieferung?
Das ist vor dem Aufteilen zuerst zu klären.
Denn viele sagen „die Lieferzeit ist nicht zu halten“,
doch der tatsächliche Engpass ist völlig unterschiedlich.
Fall 1: Es fehlt Zeit
Zum Beispiel:
In diesem Fall kann eine Teillieferung sinnvoll sein, wenn ein Teil früher raus kann.
Fall 2: Es fehlen bestimmte SKUs
Manche Projekte stocken nicht komplett,
sondern nur wenige Artikel sind verzögert.
Zum Beispiel:
Dann lautet die Frage nicht „die ganze Charge verschieben?“,
sondern „sollte man die fertigen SKUs zuerst rausschicken?“
Fall 3: Sie wollen die Komplettlieferung
Manchen Käufern liegt nicht daran, einen Teil früh zu erhalten,
sondern an:
In diesem Fall lohnt sich das Aufteilen nicht zwingend, selbst wenn es ginge.
In welchen Fällen hilft eine Teillieferung meist?
1. Das meiste ist fertig, nur wenige Artikel stocken
Das ist das häufigste und vernünftigste Szenario fürs Aufteilen.
Sind 80 % der Charge fertig
und nur wenige SKUs warten noch auf Material, Verpackung oder Dokumente,
ist es meist effizienter, den fertigen Teil zuerst zu verschicken, als alles gemeinsam abzuwarten.
2. Markt oder Kunde stehen wirklich unter Zeitdruck
Zum Beispiel:
In solchen Fällen ist Zeit selbst Kosten.
Einen Teil früh zu erhalten kann mehr wert sein als alles spät.
3. Aufteilen lässt Dokumente und Wareneingang nicht außer Kontrolle geraten
Wenn nach dem Aufteilen:
dann ist die Umsetzung des Aufteilens deutlich leichter.
In welchen Fällen sollte man nicht aus Eile erzwungen aufteilen?
1. Fracht- und Handlingkosten steigen nach dem Aufteilen deutlich
Viele denken nur „früher verschicken ist schneller“,
vergessen aber, dass zwei Chargen meist bedeuten:
Wenn die kleine, zuerst versandte Charge
ohnehin kein großes Problem löst,
sind die Zusatzkosten womöglich nicht gerechtfertigt (zu Frachtunterschieden siehe See, Luft oder Kurier – wie wählen).
2. Die Empfangsseite eignet sich gar nicht zum Aufteilen
Manche internen Abläufe des Käufers passen schlicht zur Komplettlieferung.
Zum Beispiel:
In diesem Fall hilft Aufteilen nicht zwingend,
sondern kann das Backend des Käufers unübersichtlicher machen.
3. Das Problem stockt nicht bei wenigen Artikeln, sondern die ganze Charge ist noch instabil
Wenn die Lage gerade so ist:
dann ist das Reden übers Aufteilen oft nur das verfrühte Vorbringen eines noch ungeformten Plans.
Was sollten Sie vor dem Aufteilen am ehesten klären?
1. Welche Artikel sind fertig, welche nicht?
Trennen Sie versandbar und nicht versandbar klar.
Sagen Sie nicht nur „wir können wohl einen Teil früher verschicken“.
2. Was ist der Zweck des Aufteilens?
Geht es um:
oder nur darum, beschäftigt auszusehen?
Das ist zuerst zu klären.
3. Welche Kosten kommen durch das Aufteilen hinzu?
Zum Beispiel:
Sind die Zusatzkosten hoch,
lassen Sie beide Seiten zuerst wissen, ob es sich lohnt.
4. Kann die Empfangsseite mitspielen?
Können Lager, interner Ansprechpartner und nachgelagerter Kunde des Käufers
zwei Anlieferungen wirklich akzeptieren?
Ohne vorherige Klärung stockt es nach dem Aufteilen leicht erneut.
5. Wann kann die zweite Charge nachkommen?
Wenn die erste Charge zuerst rausgeht,
die zweite aber gar keinen ungefähren Termin hat,
kann der Käufer das Weitere kaum planen (zur Verfolgung nach dem Aufteilen siehe Fortschritt nach einer Teillieferung verfolgen).
Sagen Sie nicht nur „einen Teil zuerst verschicken“, sondern welchen Teil genau
Auch hier werden viele Aufteilungsvorschläge am leichtesten vage.
Besser formuliert man meist so:
Zum Beispiel:
Das ist viel klarer als das eine Wort „dann verschicken wir eben einen Teil zuerst“.
Wenn Sie der Käufer sind: Was sollten Sie bei einem Aufteilungsvorschlag zuerst fragen?
1. Löst die zuerst versandte Charge mein aktuelles Problem wirklich?
Ist das, was zuerst kommt, nicht das, was Ihnen gerade am meisten fehlt,
hat das Aufteilen nicht zwingend einen Wert.
2. Wann kommt die zweite Charge ungefähr nach?
Es muss nicht auf die Stunde genau sein,
aber es braucht zumindest eine beurteilbare grobe Spanne (ETA-Updates ohne Vertrauensverlust kommunizieren).
3. Welche Zusatzkosten bringt das Aufteilen?
Entdecken Sie nicht erst später:
4. Müssen Dokumente, Wareneingang und Einlagerung zweimal durchlaufen?
Das beeinflusst direkt Ihre interne Arbeitslast (weiterführend zu Dokumenten-/Zahlungsengpässen vor Versand: Dokumente- und Zahlungs-Checkpoints vor Versand).
5. Wie lange verzögert sich die ganze Charge, wenn man nicht aufteilt?
Manchmal ist Aufteilen mühsam,
die ganze Charge aber eigentlich nur zwei, drei Tage entfernt.
Dann ist Nicht-Aufteilen womöglich sauberer.
Welcher Aufteilungsvorschlag wirkt am ehesten wie reines Zeitschinden?
1. Unklar, welche Charge zuerst rausgeht
Nur „einen Teil zuerst verschicken“ zu sagen,
ohne SKUs, Menge, Zeitpunkt,
lässt meist keine Entscheidung zu.
2. Unklar, wann die zweite Charge nachkommt
Geht die erste Charge zuerst raus, hat die zweite aber gar keine Grundlage,
bleibt der Käufer meist verunsichert.
3. Unklar, ob sich Kosten und Dokumente ändern
Wird das nicht vorab gesagt, gibt es später am ehesten Streit.
4. Aufteilen nur, damit der Fortschritt oberflächlich bewegt aussieht
Das durchschaut der Käufer am leichtesten.
Denn eine wirklich nützliche Teilung entspricht einem echten Problem;
eine oberflächliche Teilung schiebt nur die Unruhe auf.
In einem Satz
Eine Teillieferung muss man nicht zwingend machen, sobald man Verzug sieht,
sondern zuerst betrachten:
Einen Teil zuerst zu verschicken ist nicht automatisch besser; eine wirklich nützliche Teilung lässt den Käufer das Problem früher lösen, statt eine Runde Aufwand hinzuzufügen.